Eine einsame Hütte auf einer Insel in Schweden

Wer hat nicht schon mal davon geträumt, in einer einsamen Hütte ohne Strom und fließendes Wasser mitten in der Wildnis zu leben? In den Sommerferien haben wir uns diesen Traum - zum Teil jedenfalls - erfüllt. Wir fanden "Lomar Klippan" eine kleine Hütte in Südschweden, die auf einer mini Insel - mehr Felsen als Insel - in einem größeren See lag. Die nächsten Nachbarn waren nicht zu sehen und rund 500m Luftlinie entfernt. Das ist zwar nicht wirklich einsam, und Südschweden nicht gerade Wildnis, aber dafür gab es weder Strom noch fließendes Wasser. Herd und Kühlschrank wurden mit Gas betrieben, und die Toilette war ein Trockenklo an der Seite der Hütte. 

 Lomar Klippan

Lomar Klippan

Die Hütte selber hatte gerade mal ca. 25 qm und bestand aus einem Raum, der als Küche, Schlaf- Wohn- und Esszimmer diente sowie einem Spitzboden mit 2 Betten. Zusätzlich gab es eine Terrasse und einen Steg, an dem das Ruderboot lag, um von der Insel zum Festland zu kommen. Bad, Dusche, Badewanne - Fehlanzeige. Wozu hat man schließlich einen See vor der Tür? Ach ja, es gab noch einen Holzofen, aber den brauchten wir aufgrund des guten Wetters nicht. 

Unser Tagesablauf wurde bestimmt durch den Verlauf der Sonne und des Lichts. Wir sind quasi mit den Vögeln aufgestanden und zu Bett gegangen. Das Essen schwamm im See und brauchte nur gefangen zu werden, was selbst für ungeübte Angler vom Boot  aus kein Problem darstellte. Einer hielt die Rute mit dem Blinker ins Wasser, der andere ruderte gemächlich am Ufer entlang. Meistens dauerte es nicht lange, bis man den ersten Fang landen konnte. Hecht und Barsch dominierten ganz klar den Speiseplan in dieser Woche. Sogar eine Schleie konnten wir fangen, zwar biss sie nicht auf den Blinker, sondern der Blinker steckte in ihrer Kieme, aber am Ende zählt das Ergebnis. Und ganz nebenbei lernte das Kind auch noch, wie man Fische fängt, ausnimmt und auf dem offenen Feuer zubereitet. 

 F(r)isch vom Feuer

F(r)isch vom Feuer

Gewaschen und abgewaschen hat man sich und alles andere im See. Das war morgens nach dem Aufstehen erst etwas gewöhnungsbedürftig, aber spätestens am Nachmittag, wenn die Sonne vom Himmel brannte, eine willkommene Erfrischung. Selbstredend haben wir als verantwortungsvolle, umweltbewusste Menschen weitestgehend auf den Einsatz von Seife verzichtet, und wenn unbedingt nötig, haben wir eine speziell biologisch schnell abbaubare, umweltschonende Seife verwendet. Die die herausragende Eigenschaft besaß, dass sie so gut wie gar nicht schäumte und auch nicht roch. Dafür war der Preis umso höher, dass einem die Augen tränten.

Während der Woche am See haben wir bewusst auf jeglichen elektronischen Medienkonsum verzichtet, was auch mal ganz wohltuend sein kann. Vor allem für das Kind, dass feststellen musste, dass das Leben ohne Smartphone und Spielekonsole nicht nur nicht zu Ende geht, sondern sogar auch noch ganz spannend sein kann. 

 Frühmorgens am See

Frühmorgens am See

Schnell mag jemand sagen oder denken: "Ja was für ein Verzicht. Warum soll ich mir so etwas antun?". Für uns war es das Naturerleben, dass umso stärker und intensiver ist, je mehr zivilisatorischen Ballast man hinter sich lässt. Natürlich geht das noch extremer, aber wer mit Kindern reist, der lernt Kompromisse einzugehen. Ein einwöchiger Survival-Trip bei Dauerregen in den Wäldern Nordschwedens zum Beispiel, hätte sicher das Eltern-Kind-Verhältnis auf eine harte Bewährungsprobe gestellt.

 Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Schweden, vor allem im Sommer, ist ein wunderbares Reiseziel. Zwar hat uns jeder davor gewarnt, dass man es vor lauter Mücken gar nicht länger draußen aushält, aber die Erfahrungen konnten wir überhaupt nicht bestätigen. Entweder war es ein besonders mückenarmes Jahr, oder wir sind da nicht so empfindlich. Gestört, vor allem beim Essen, haben lediglich Wespen, die ihr Nest direkt unter dem Haus hatten.