Fotografieren und Wandern im Harz

Länger schon hatte ich vor, im Winter zum Fotografieren und Wandern in den Harz zu fahren. Letzte Woche war es dann endlich soweit. Von Hamburg ging es mit dem Auto über die A7 nach Hannover, dann weiter auf der A2 nach Braunschweig und von dort über die A391 und A395 nach Werningerode. Nach einer entspannten, gut dreistündigen Fahrt erreichten wir die Ferienwohnung im beschaulichen Ortsteil Schierke.

Insgeheim hatte ich gehofft, dass wir in eine tief verschneite Landschaft kommen, um stimmungsvolle Winteraufnahmen machen zu können, aber dem war nicht so. Die Vermieterin erzählte, dass es schon ordentlich geschneit hatte, aber der Schnee aufgrund des warmen Wetters inzwischen wieder komplett getaut sei. Die Wettervorhersage versprach Temperaturen im niedrigen Plusbereich und Sonne für die kommenden Tage. Na wenigsten kein Regen... Den Rest des Tages verbrachten wir damit einzukaufen, uns einzurichten und eine erste kleine Erkundungsrunde der näheren Umgebung vorzunehmen. 

 Blick auf die Kalte Bode

Blick auf die Kalte Bode

Die Harzer Brockenbahn

Am nächsten Morgen schaute ich nach dem Aufstehen aus dem Fenster und traute meinen Augen nicht. Ich sah eine geschlossene Schneedecke. Alles war weiss! Es hatte über Nacht richtig kräftig geschneit. Was für eine Überraschung. Also nichts wie frühstücken, den Rucksack packen und raus in die Natur zum Fotografieren. Unsere Wanderung führte uns von unserer Wohnung bergauf durch einen verschneiten Wald zum Bahnhof Schierke. Dieser wird angefahren von den dampflokbetriebenen Zügen der Harzer Schmalspurbahn auf ihrem Weg zum Brocken und zurück. Schon von Weitem hört man das Pfeifen der Lokomotiven, wenn Sie vor Kurven oder an Bahnübergängen ihr Nahen ankündigen. Der Anblick der schwarzen dampfenden und pfeifenden Loks mit ihren Wagons ist wie eine Reise in die Vergangenheit. 

Nachdem ich ein paar Aufnahmen von ankommenden und abfahrenden Zügen am Bahnhof gemacht hatte, war schnell klar, dass die Szenerie dort zwar gut aber nicht optimal war. Natürlich wollte ich ein Foto machen, wie die dampfende Lokomotive aus dem verschneiten Wald kommt. Also ging es weiter Richtung Brocken auf dem Wanderweg, der parallel zu den Schienen verläuft. Nach kurzer Wanderung fand ich eine geeignete Stelle, an der die Bahn aus einer Kurve kommend auf mich zu fährt. Laut Fahrplan sollte die nächste Bahn Richtung Brocken in 25 Minuten kommen, davor kam noch eine bergab. Also genügend Zeit das Stativ und die Kamera aufzubauen, den Bildausschnitt zu wählen, und alle Einstellungen in Ruhe vorzunehmen. Ich stand perfekt, nun musste nur noch die Bahn kommen.

Stattdessen kamen zwei weitere Fotografen zu Fuß den Berg hoch, um sich ebenfalls in Stellung zu bringen. Das gibt's doch nicht! Nicht nur, dass sie drohten, mir die Szene zu versauten, sie liefen auch noch direkt auf den Gleisen. Und der Zug, der talabwärts fuhr, hatte immer noch nicht passiert. Als sie in Rufweite kamen, habe ich mich bemerkbar gemacht, und ihnen zu verstehen gegeben, dass sie sich bitte Stellen suchen mögen, die außerhalb meines Bildausschnittes liegen, was sie dann auch rücksichtsvollerweise taten. Einer von beiden kam jedoch auf die völlig leichtsinnige, wie gefährliche Idee, dass er den von oben kommenden Zug zwischen den Schienen kniend frontal fotografieren müsste, um dann im letzten Moment zur Seite zu springen. Als der Zug bergab um die Kurve kam, leitete der Lokführer sofort eine Vollbremsung ein und pfiff was Pfeife und Dampf hergaben. Auf Höhe des Fotografen kam der Zug dann zum Stehen, und der Lokführer stellte den lebensmüden Napf lautstark in den Senkel. Im ersten Moment dachte ich, der Lokführer springt jetzt von seiner Lok und haut ihm eine rein. Verstanden hätte ich's. 

Nach dem der Zug wieder angefahren war, verschwand der Mann kleinlaut mit seiner Kamera, und ich konnte einige Minuten später den bergauf fahrenden Zug ungestört so fotografieren, wie ich es mir vorgestellt hatte. 

Inzwischen durchgefroren vom vielen Warten im Schnee aber glücklich über das gelungene Foto, machten wir uns auf den Rückweg nach Schierke. 

 Der Polarexpress kommt

Der Polarexpress kommt

Wanderung von Schierke zum Brocken und zurück

Am nächsten Tag hatten wir uns vorgenommen zum Brocken zu wandern, und mit der Brockenbahn zurück nach Schierke zu fahren. Von Schierke zum Brocken sind es rund 7 Kilometer, für die wir mit diversen Fotostopps gut 3 Stunden gebraucht haben. Der Weg bergauf durch den Wald war sehr gut ausgeschildert und trotz des Schnees hervorragend zu gehen. Lediglich an einigen steileren Stellen, die schon ausgetreten und damit glatt waren, war etwas Vorsicht und Trittsicherheit geboten.

Während des Aufstiegs trafen wir nur sehr wenige andere Wanderer und genossen die Stille der Winterlandschaft, die nur hin und wieder durch das Pfeifen der Bahn unterbrochen wurde, die sich ebenfalls größtenteils parallel zum Wanderweg zum Brocken hoch schlängelt. Waldpassagen wechselten sich mit offenerem Gelände ab, das dann weite Blicke in die Landschaft ermöglichte.

Kurz unterhalb des Brockens, bevor man den Wanderweg verlässt und auf die befestigte Zufahrtsstraße kommt, durchquert man einen Bereich mit vielen abgestorbenen Fichten, die offensichtlich Opfer des Borkenkäfers geworden sind. Entlang des gesamten Wanderweges und der Gleise sieht man, dass zudem viele Bäume vorsorglich gefällt wurden, bevor es zu Personen oder Sachschäden kommt. 

Den letzten Kilometer zum Brocken legt man auf einer befestigten Zufahrtsstraße zurück. Hier waren eindeutig mehr Wanderer unterwegs als auf dem Wanderweg, der durch den Wald führte. Zudem blies uns, je näher wir dem Brocken kamen, ein schneidender, eiskalter Wind Schnee und Eiskristalle ins Gesicht, so dass einem die Sicht und hin und wieder sogar der Atem genommen wurde. Das Vorankommen war wirklich mühsam und kein Vergleich mit den davor zurückgelegten Kilometern. Auf dem Gipfel hatte man nicht das Gefühl in den gemäßigten Gefilden Mitteldeutschlands zu sein, sondern irgendwo weit hoch oben im Norden am Polarkreis oder sogar darüber. Das Fotografieren wurde zu einer echten Herausforderung, da die Finger aufgrund der Kälte völlig steif waren, und man so gut wie nichts sehen konnte, da der Wind die Augen in einer Tour tränen ließ. Eine bessere Vorbereitung hätte hier nicht geschadet. 

 Winterlandschaft auf dem Brocken, Januar 2018

Winterlandschaft auf dem Brocken, Januar 2018

Nachdem wir uns bei einer deftigen Erbsensuppe aufgewärmt hatten, ging es wieder hinaus in die Kälte, um die Brockenbahn zurück nach Schierke zu nehmen. Am Ticketschalter haben wir nicht schlecht gestaunt, als wir erfuhren, dass eine einfache Fahrt pro Person 27 Euro kosten soll. Da es noch knapp 3 Stunden bis Sonnenuntergang waren, entschieden wir uns zu Fuß zurück zu wandern und das Geld lieber für ein Abendessen im Restaurant auszugeben. 

Der Rückweg hatte aufgrund der zunehmend tiefer stehenden Sonne eine ganz besondere Stimmung und bot somit weitere Gelegenheiten zum Fotografieren. Nach gut zweieinhalb Stunden kamen wir dann in der Dämmerung wieder in Schierke an und genehmigten uns im Heinrich's einen Lumumba zum Warmwerden sowie ein Alster, um den Durst zu löschen. 

 Winterlandschaft auf dem Rückweg vom Brocken

Winterlandschaft auf dem Rückweg vom Brocken

Die Teufelsmauer

Eine weitere Sehenswürdigkeit für Wanderer und Fotografen stellt die Teufelsmauer dar. Sie erstreckt sich auf ca. 20 km Länge von Ballenstedt nach Blankenburg. Auf dem Weg von Schierke nach Quedlinburg schauten wir uns den Abschnitt südlich von Weddersleben, die sogenannten Adlersklippen, an. Tatsächlich ist der Abschnitt der Teufelsmauer bei Weddersleben seit 1935 eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands. Felsformationen aus hartem Sandstein ragen hoch in die Landschaft und bieten vielfältige Möglichkeiten für beeindruckende Aufnahmen. 

 Teufelsmauer bei Weddersleben

Teufelsmauer bei Weddersleben

Quedlinburg

Nach dem Zwischenstopp an der Teufelsmauer ging es weiter nach Quedlinburg. Seit 1994 gehört die Stadt zum UNESCO Weltkulturerbe aufgrund ihrer beeindruckenden Vielzahl von mehr als 2.000 Fachwerkhäusern aus acht Jahrhunderten. Die meisten Fachwerkhäuser im historischen Ortskern wurden im Laufe der Jahre liebevoll restauriert und sind eine einzigartige Augenweide, sicherlich nicht nur für Architekturbegeisterte. Wer in den Harz fährt sollte auf jeden Fall einen Stadtrundgang in Quedlinburg einplanen. Die Stadt hat es, im Gegensatz zu anderen Kleinstädten, geschafft, dass nicht nur die großen Ketten und Geschäfte das Bild in der Innenstadt dominieren und damit jeglichen individuellen Flair vernichten. Viele kleine und liebevoll betriebene Läden und Geschäfte laden zum Schauen, Kaufen und Essen ein. Natürlich bieten sich auch hier unendlich viele spannende Motive zum Fotografieren. Nach vier Stunden hatten wir unzählige Fotos gemacht, mundgeblasene Weihnachtsbaumkugeln gekauft, ein Atelier für Silberfotografie besucht, waren Kaffe trinken und haben eine Kleinigkeit gegessen. 

 Historische Altstadt von Quedlinburg

Historische Altstadt von Quedlinburg

Wanderung von Blankenburg zum Hamburger Wappen

Nachdem wir das Glück hatten, dass es gleich zu Anfang der Woche geschneit hatte, und dann ein paar Tage die Sonne schien, wurde es gegen Ende der Woche sehr wolkenverhangen und damit neblig in den Höhenlagen und auch zum Teil bis in die Niederungen. An einem dieser nebligen Tage sind wir nach Blankenburg gefahren, um von dort zum Hamburger Wappen, ebenfalls einem Teil der Teufelsmauer, zu wandern. Die Stimmung im Wald war aufgrund des dichten Nebels sehr mystisch. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie sich die Leute vor ein paar hundert Jahren gefühlt haben müssen, wenn sie im Wald unterwegs waren, und wie die alten Geschichten und Mythen von Hexen, Geistern und Fabelwesen entstanden sind. 

Bei gutem Wetter muss man vom Hamburger Wappen einen hervorragenden Blick in die weite Landschaft haben, der uns aber verwehrt blieb. Dennoch war die kurze Wanderung trotz des Nebels, oder gerade deswegen, absolut reizvoll.

 Blick auf das "Hamburger Wappen", Teufelsmauer bei Blankenburg

Blick auf das "Hamburger Wappen", Teufelsmauer bei Blankenburg

Burgruine Regenstein

Am letzten Tag vor der Abreise besuchten wir die Burgruine Regenstein nördlich von Blankenburg. Unterhalb der Burgruine befindet sich ein Parkplatz, von dem aus man die Ruine in wenigen Minuten zu Fuß erreicht. Geschichtlich einst sehr bedeutend und stark umkämpft, erscheint die Burgruine heute eher unscheinbar im Vergleich zu anderen. Die in den Sandsteinfels geschlagenen Höhlen sind gut erhalten und lassen sich für einen geringen Eintrittspreis besichtigen. Vom Gipfel der Burg hat man bei guter Sicht sicherlich einen spektakulären Blick, aber auch wenn der Wind tiefhängende Wolken über eine nebelverhangene Landschaft treibt, hat der Ort seinen Reiz. 

 Burg Regensteun

Burg Regensteun